Die Zukunft des Kaufens: Interview mit Dr. Hans-Georg Häusel

Veröffentlicht am von Bettina Noé

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Neuromarketing Kongress 2011

Der Handel im Internet boomt, kaum ein Händler kommt heute noch ohne Online-Angebot aus. Wo sehen Sie aus der Sicht des Neuromarketings die größten Unterschiede zwischen Kunden, die im Laden kaufen, und den Online-Shoppern?
Der Unterschied wird mit der zunehmenden Durchdringung des Internets kleiner, trotzdem gibt es den. Die „Heavy-Internet-Shopper“ sind Konsumenten mit hoher Offenheit für die neuen Medien und gleichzeitig nicht ganz so großer Angst vor Fehlkäufen oder anderen Risiken (Kreditkartenbetrug). In unseren Limbic Types sind die Internet-Affinen, die Hedonisten, Abenteurer und die Performer, während die Traditionalisten, Disziplinierten und Harmoniser weit unterdurchschnittlich einkaufen

Die Konkurrenz im Internet ist groß. Permanent wird der Kunde mit Werbung konfrontiert, mit Newslettern oder Mails, die ihn auf die Seiten der Händler locken sollen. Wie kann sich ein Unternehmen im Netz so abheben, dass der Kunde auf seiner Seite landet – und dort auch einkauft?
Zunächst einmal muss das Angebot vom Produkt, vom Preis und von der Auswahl attraktiv sein. Wenn das gegeben ist, muss das Angebot bekannt gemacht werden – hier spielen die Social Media zunehmend die entscheidende Rolle. Wenn der Kunde dann auf die Website kommt, spielt ihre Konzeption eine enorm wichtige Rolle. Auch hier gibt es viele unbewusste Kaufverführer oder Kaufverhinderer, die durch die Erkenntnisse der Hirnforschung noch klarer werden. Die Darstellung der vielen kleinen Tricks die auf das Unbewusste Zielen würde hier zu weit führen – auf dem Neuromarketing-Kongress, werden wir uns damit intensiv  beschäftigen.

Immer wieder ist die Rede vom gläsernen Kunden, der via Hirnscan bis aufs Letzte durchleuchtet wird. Wie reagieren Sie darauf?
Diese Angst ist völlig unbegründet. Im Hinblick auf den Hirnscanner und seine Erklärungskraft ist ja auch im Marketing inzwischen eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist. Zu wissen, wo im Gehirn sauerstoffreicheres und sauerstoffärmeres Blut fließt, ist Lichtjahre vom Gedankenlesen entfernt. Was der Konsument denkt, bleibt diesem Verfahren genauso wie allen anderen apparativen Verfahren der Hirnforschung verschlossen – von dieser Seite besteht also keine große Manipulationsgefahr. Wie sieht es nun mit der Nutzung der Erkenntnisse der Hirnforschung für Marketing-Zwecke aus? Die konsequente Anwendung aller Erkenntnisse macht das Marketing zweifellos effizienter. Diese Verbesserungen im Marketing durch Hirnforschung, stellen aber keine Revolution dar. Die möglichen
Optimierungen bewegen sich im einstelligen Prozentbereich – es ist ja nicht so, dass im Marketing bisher nur Dilettanten gearbeitet hätten. Trotzdem: Marketing ist immer auch Manipulation. Aber nicht nur Marketing manipuliert – unser ganzes Leben besteht, darin, den anderen günstig zu stimmen. Eine Frau die sich schminkt, ein Bewerber, der bestimmte Fragen für ein Bewerbungsgespräch antrainiert – sie manipulieren. Auf dem Neuromarketing
Kongress am 05.05.2011
haben wir uns auch mit dieser Frage beschäftigt. Wir haben dazu einen der profiliertesten Ethik-Philosophen in Deutschland eingeladen, der hier die Grenzen des Erlaubten aufgezeigt hat.

Das Interview führte Bettina Noé mit Dr. Hans-Georg Häusel

Dr. Hans-Georg Häusel 

 

 

 

 

Über Dr. Hans-Georg Häusel

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