100 Jahre Neuromarketing
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Wenn Neuromarketing so viel jünger wahrgenommen wird, als es ist, hat dies nichts mit plastischer Chirurgie zu tun. Dafür umso mehr mit einer kleinen und folgenreichen Verwechslung. Denn Neuromarketing ist keine Wissenschaftsdisziplin, sondern eine Methode. Diese macht sich Resultate von Forschungsarbeiten über das menschliche Gehirn zunutze, um Verhaltensmuster besser verstehen und beeinflussen zu können. Und da man sich die meisten dieser Erkenntnisse auch durch aufmerksames Beobachten aneignen, ist Neuromarketing eben schon sehr viel älter, als es scheint.
Neu ist, und das halte ich für ein wesentliches Merkmal des Jubilars, dass gute Beobachter nun die wissenschaftliche Absolution für ihr Tun erhalten. Was sie aufmerksam registrieren, ist nicht einfach Geschmacks- oder Ansichtssache, sondern erscheint ebenso auf Bildern, die das Gehirn während des Arbeitens zeigen.
Auf der anderen Seite dürfen die Anhänger des Homo oeconomicus nicht mehr mit dem akademischen Segen rechnen, wenn sie Emotionen, limbische Systeme oder die Codes des Unbewussten nur für lästige Nebengeräusche halten. Und wer behauptet, Neuromarketing sei eine vorübergehende Modeerscheinung, hat offenbar noch immer nicht begriffen, dass unser Gehirn ein Erfolgsprodukt der Evolution ist, von dessen Funktionsweise wir auch für das Marketing viel lernen und übernehmen können. Sogar auf unterhaltsamere Weise, als wir es von traditionellen Methoden her kennen. Beispiele aus dem wahren Leben folgen.
Über den Autor: Dr. Werner Fuchs

Kommentare:
Wenn Neuromarketing so herrliche Texte hervorbringt wie von Werner T. Fuchs, dann darf man sich auf Neuromarketing freuen, es als kunstvolle Bereicherung der Wirtschaft betrachten.
Der Begriff “Neuromarketing” ist per se weder schön, sinnlich noch sinnvoll. Mögen kann man den Begriff nicht. Inhaltlich hat Dr. Häusel bereits den Begriff in einem anderen Blog-Beitrag geklärt.
Dennoch wird aus bekannten (limbischen) Gründen immer wieder dieses Bild geschürt, dass Neuromarketing etwas sei wie Nanotechnik. Ein solches Vorstellungsbild verkauft sich einfacher an viele Manger in den Unternehmen. Neuromarketing als Kunst zu sehen wird erst einmal lange Zeit, wenn überhaupt, nicht in Betracht gezogen. Umso besser, wenn Buchautoren wie Oliver Sacks oder Antonio Damasio bereits in der visuellen Gestaltung ihrer Bücher darauf wunderschön hindeuten.
Ich glaube, dass es neue innere Vorstellungsbilder zum Thema Neuromarketing braucht. Erstens gab es immer schon Menschen, die ohne Hirnscanner intuitiv wussten, was Menschen bewegt (von Hitchcock bis Paul Klee – Keiner brauchte einen Hirnscanner für sein Marketing). Zweitens sind die Lösungen des Neuromarketing meistens banal. Aber genau das ist ja die beste Zutat für Erfolg. Und letztlich auch die Kunst.
In jedem Falle darf man gespannt sein, was in diesem Blog gesagt und nicht gesagt wird.
Schön, dass es diesen Blog von Haufe gibt.
Netter Blog, sehr informativ und schoen gemacht.
Vielen Dank für dieses umfangreiche Werk.
Ich stimme dem was Herr Schneider sagt zu.
Ich finde die Ergebnisse und Folgerungen der letzten Jahre faszinierend, da sie nicht nur im Geschäftsleben Erleichetrung bringen sondern auch im Privatleben. Ihr Basis-Know-Know hilft, damit man nicht an der Bequemlichkeit der Menschen verzweifelt.